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Reeller Rekord aus der Praxis

Januar 03, 2011 Von: Nutzfahrzeug-Global.com Redaktion Kategorie: Baumaschinen, Ersatzteile / Zubehör, LKW

Reeller Rekord aus der PraxisLifetime und Partner schicken einen 40-Tonner, der dem aktuellen Stand der Technik entspricht, von München über den Brenner nach Sizilien. Das eigentliche Tourziel: extrem Kraftstoff einzusparen. Selbst unter den schwierigen Praxisumständen gelingt es, ins Spritsparpotenzial von über 20 Prozent vorzupreschen.Nun geht nichts mehr rein. Der TÜV-Mann verplombt den vollen Tank des MAN SZM TGX 18.440 XLX. Fürs Protokoll gibt der Fahrer den Kilometerstand durch: 91.346,5. Der 446 PS starke Motor springt an. Kurz vor neun zeigt die Uhr an, als der Sattelzug die Tankstelle in Vaterstetten bei München verlässt. Bevor es richtig auf die Strecke geht, wartet noch das Überfahren der Waage in Bad Aibling. Der Beamte des Bundesamt für Güterverkehr (BAG) trägt in die Bescheinigung ein: 19.10.2010, 39.380 Kilogramm Gesamtgewicht. Nach dieser letzten Formalie kann das Abenteuer starten.

Auf dem Profi Liner Eco von Krone lagert zwar eine gewöhnliche Fracht, die turnusmäßig nach Sizilien soll. Aber das eigentlich Spannende und Aufregende an diesem Auftrag: Der Sattelzug soll für die Strecke über den Brenner bis zur Stiefelsohle um die 20 Prozent weniger Kraftstoff als üblich verbrauchen. Ein absolut utopisches Unterfangen, gerade bei der zu bewältigenden Topografie?

Schnell springen Schwergewichte auf den Sattelzug auf
Die Idee stammt von Andreas Löchter, Geschäftsführer von Lifetime Technologies GmbH. Seine Firma entwickelte das Motorregenerationssystem, Motor- und Getriebeöle sowie ein Kraftstoff-Sekundäradditiv. Innerhalb kürzester Zeit gelang es ihm im Vorfeld namhafte Branchenprotagonisten von der Rekordfahrt zu überzeugen: Kuda Aero Spoiler stellte die Bodynose, welche die Lücke zwischen Trailer und Zugmaschine schließt. Michelin Reifen auf xlite-Felgen und BPW-Achsen bringen die Antriebskraft optimal auf die Straße. Ein Zusammenspiel der Komponenten, das für rollwiderstandsoptimierten Leichtlauf sorgt. Die Aerodynamik des Zuges verbesserte zudem HS-Schoch Spoiler – durch eine angepasste Rahmenverkleidung. Für eine deutliche Effizienzsteigerung über die Minimierung thermischer und mechanischer Verluste im Motor sorgt die Fa. Sniptec, die sich auf Kraftstoffsparsysteme ohne mechanische und elektronische Eingriffe spezialisiert hat. Mobilitätsdienstleister Pneuhage, Telematikgröße Trimble Transport & Logistic (ehemals Punch Telematix) und MAN Rental sowie Krone machen ebenso mit. Die Spedition Spornraft überließ eine ihrer regulären Frachten dem Projekt.

Das erste schwere Hindernis – der Brenner – steht an. Hier passierte die Sensation: Der Truck fuhr souverän mit seinen 40 Tonnen  mit Tempo 82 den Brenner hoch. Die Rollerstrecke verspricht Erholung. Der Zwischenstopp dient zum Fahrerwechsel. Frohe Kunde kommt aus dem Cockpit. Der übergebende Fahrer blickt zurück: „Wir haben am Brenner mit einem Verbrauch von 40 bis 50 Litern kalkuliert.“ Die Telematikdaten (von MAN und Trimble Transport & Logistic) weisen am Pass 35,8 l/100 km aus. Durch die Rollerstrecke pendelte sich der Gesamtverbrauch bei 28,4 Litern ein. Eine erfolgreiche wie ermutigende Zwischenbilanz. Hochmotiviert übergibt der Eco-Fahrtrainer Dieter Kühling seinem Kollegen das Steuer. Im Sichtfeld behält er die Telematikanzeigen, animieren sie doch zu wirtschaftlichem Fahren.

Eine Studie fordert heraus
Ausgelöst hat die Tour die Shell Lkw Studie „Fakten, Trends und Perspektiven im Straßengüterverkehr bis 2030“, die der Mineralölkonzern im April veröffentlichte. Die Aussage der Studie brachte die Firma Lifetime Technologies GmbH auf eine ungewöhnliche Idee, der Industrie mit einfachen und bezahlbaren Maßnahmen zu beweisen, was sie glaubt erst im Jahre 2030 erreichen zu können.  In der Studie sieht die Prognose nämlich vor, dass sich der Güterverkehr auf der Straße mittelfristig verdoppeln wird.

Die Hersteller hingegen sehen sich erst in den kommenden 20 Jahren soweit, dass sie aufgrund einer verbesserten Dieseltechnologie, den Einsatz von Hybridantrieb und von nachhaltigen Biokraftstoffen die Effizienz – sprich den Kraftstoffverbrauch – um im Schnitt 20 % reduzieren könnten.

Unplanmäßiges stoppt die Tour
Die Route führt weiter über Bologna an der Ostküste entlang gen Süden. Bisher läuft alles nach Plan. Bis kurz nach 20 Uhr. Denn in Grottamare muss der MAN stoppen. Der Grund: Totalsperrung der Autobahn. Der Ärger über den Zwangsstopp verfliegt beim Blick auf den Durchschnittsverbrauch, der telematisch ermittelt bei 24,2 l/100 km liegt.

Der Morgen am 20. Oktober fängt heftig an. Mit kalter Maschine gleich den Berg hoch. Das Ungemach endet nicht: Sturmwarnungen, Baustellen, gesperrte Autobahnabfahrten. Auch die Topografie bleibt anspruchsvoll. Wunschstrecke und -bedingungen sehen anders aus. Aber die Realität kann man sich eben nicht aussuchen.

Bewusst wählte Projektanstoßer Löchter einen x-beliebigen MAN. Der musste vorher zum Leistungscheck auf den Prüfstand in die MAN-Niederlassung München/Neufahrn. Seine Daten: 446,3 PS / 328,2 kW, maximales Drehmoment von 2.146,6 Nm bei 1.305 U/min. Danach wurden die Komponenten der oben genannten Firmenverbaut. Reinigung erfuhr der Motor durch den CS-Cleaner von Lifetime. Anschließend kam das Lifetime CS-System (CS Truck 10W-40 inklusive Lifetime Power Fuel 80, ein Kraftstoff-Sekundäradditiv) in die Maschine. Die Bundeswehr Universität München hat dessen Wirkung untersucht. Das Ergebnis spricht für sich: Der Produkteinsatz eröffnet dem Lkw-Motor ein deutliches Kraftstoffeinsparpotenzial. Und nun kommt noch die Technik der Projektpartner dazu.

Vor laufender Kamera verplombt
Der Truck erreicht gegen Mittag Casalonga. Kurz vor 20 Uhr fährt der Sattelzug ins Ziel. In Villa San Giovanni. Geschafft. Noch nicht ganz. Das Tanken steht an. Trotz aller Bemühungen gelingt es nicht am nächsten Morgen beim Zoll und Eichamt jemanden aufzutreiben, der den Tankstopp und das Öffnen der Plombe notariell beglaubigen will. Also wieder etwas Unvorhersehbares. Zum Glück dokumentiert die mitgereiste Crew von Kamiono-TV das Tanken.

Durchatmen bei den zwei Profis, die den Truck über zwei Tage und 1.718,9 Kilometer nach Sizilien steuerten. Zwischen München und Süditalien galt es 4.222 Höhenmeter an Steigungen und 4.656 Höhenmeter an Gefälle zu überwinden, um die Fracht sicher abzuliefern. Und wie sieht der Verbrauch aus?

Der Spritsparrekord steht
Den durchs Auslitern festgestellten Kraftstoffverbrauch müsse man abgleichen, erklärt Löchter. Wegen der Wärmeausdehnung. Danach stimmt dieser aber auch mit der Telematikberechnung überein, die den folgenden Wert ermittelte: 27,9 l/100 km. „Das Ergebnis ist schon sensationell“, freut sich Löchter. Unterm Strich steht die magische Zahl: 22,8 Prozent weniger Kraftstoff als normal (36 l/100 km). Das bedeutet im Zusammenhang mit allen anderen Fahrdaten: Die Fahrweise des MAN war äußerst wirtschaftlich. Das Abenteuer Zukunft kann also schon jetzt Praxis sein. Wenn man es will.

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